Zwei Hirsche im Geweihkampf. Zweikampf

Wer hat angefangen?

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„Aber DER hat angefangen. Ich habe ja NUR zurück gehauen.“

 

In der Kindheit war diese Erklärung auch ein Versuch sich vor den Konsequenzen zu drücken. Zudem schien es legitim, zurück zu hauen.

Ist das ein uralter Überlebenstrieb und ist dieses Verhalten zeitgemäß, im Sinne von erforderlich?

Konflikte verursachen den Beteiligten und ihrer Umwelt Stress, nicht selten entsteht Leid.

 

Noch immer bin ich beeindruckt, wie sich Konflikte nach einem vorgegebenen Strickmuster entwickeln.

Zu Beginn einer Konfliktschlichtung frage ich die jeweilige Partei, ob sie mir den Beginn bzw. die Ursachen des bestehenden Konfliktes schildern können.

Wenn Ich die unterschiedlichen Sichtweisen höre, entsteht schon häufig der Eindruck, die Beteiligten reden von völlig unterschiedlichen Ereignissen.

 

Unterschiedliche Wahrnehmungen kreieren ganz offensichtlich unterschiedliche Welten:

1.Beobachtung: In der Regel war es der Andere, der für die Verursachung des Konflikts verantwortlich gemacht wird. 

2.Beobachtung: Auf die Frage, ob ein rechtzeitiges Ansprechen des Problems den Konflikt hätte verhindern können, wird dies ebenfalls in die Verantwortung der gegnerischen Partei gelegt. 

3. Beobachtung: Es herrscht sehr häufig eine Sprachlosigkeit, eine Hilflosigkeit, das Erlebte und Gefühlte einzuordnen, um es dann artikulieren zu können.

4. Beobachtung: Der Fokus auf das Fehlverhalten beim Gegenüber verengt zunehmend den Blick  für kleinste Bemühungen der Gegenseite und Besserungen, geschweige denn für Lösungen.

 

Wieviel Ärger und Leid könnten Konfliktparteien gegen eine gute Arbeitsatmosphäre und Lebenszufriedenheit eintauschen, wenn sie zeitnah eine Verärgerung oder Verunsicherung ansprechen würden?

 

Wirken Konflikte bereits über einen längeren Zeitraum oder zumindest mit deutlichen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Beteiligten und ihres Umfeldes, ist die Einbeziehung eines neutralen Dritten hilfreich.

Wie machen es Kinder? Sie holen sich in der Regel einen Schiedsrichter.

Machen Erwachsene übrigens auch und hier ist nicht die Bildung von Koalitionen gemeint.

 

Im beruflichen Kontext erwarten Mitarbeiter den ” Richterspruch”, zumindest die klare Haltung des Vorgesetzten. Spätestens wenn diese klare Aussage ausbleibt, wäre es Zeit, die eigenen Handlungsmöglichkeiten  auszuloten.

 

Könnte es sein, dass an der Sichtweise des Anderen etwas dran ist? 

Habe ich die Situation sehr einseitig betrachtet und bewertet? Gibt es einen Weg wieder ins Gespräch zu kommen?

Aber, DER oder DIE hat doch angefangen? 

Willst du anderen soviel Macht über dein Leben geben? Was hindert dich wirklich daran zu handeln? Du!

 

Also fang an!

1) Denke über Deine Bedürfnisse nach!

2) Gibt es Kompromissmöglichkeiten?

3) Mach dich auf den Weg zum Anderen und sprich mit ihm!

4) Wenn dir das Aufhören tatsächlich schwer fällt, fang anders an!

 

Jetzt!

 

Herzlichst,

Kerstin D. Richter