Ein Zahnrad mit Fragenzeichen, eines mit einer Glühbirne, eines mit einem Ausrufezeichen, ineinander verzahnt

„Seid ihr noch zufrieden?“ – Was hat Beruf mit Berufung zu tun

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Hallo, ich starte heute gleich mit einer Frage an dich. In welchen Situationen werden deine unerschütterlichen Nervenstränge zu hauchdünnen Seidenfädchen?

Bis vor ungefähr zwei Jahren hätte ich mir Bedenkzeit erbeten.

Inzwischen habe ich da einen grandiosen Favoriten. Die Art mancher KellnerInnen oder VerkäuferInnen, wobei erstere ja auch verkaufen, treibt mich inzwischen recht schnell in die Gemengelage unterdrückter Aggression.

„Seid ihr noch zufrieden?“ oder „Alles in Ordnung bei euch?“ sind für mich zwei klassische Reizformulierungen, zumindest wenn die Weltmeisterin der Bedienung damit alle fünf Minuten ernsthafte oder vertrauliche Gespräche unterbricht.

Und so hörte ich mich schon mal auf diese floskelhaft wirkende Frage sagen: „Gleich nicht mehr!“

Keine Panik. Nicht, dass sich meine Kellnerin davon hätte beirren lassen. Sie war ganz offenbar wild entschlossen, mir die nächste Bestellung abzuringen. Ich unterbreitete ein Friedens-Angebot: „Wir rufen Sie, wenn wir etwas möchten. Bis dahin lassen Sie uns einfach in Ruhe.“

Die Folge für mich und das Lokal: obwohl dieses Haus in meiner Heimatstadt als absolut angesagt gilt, war ich weder mit Freunden, noch mit Geschäftspartnern dort erneut Gast.

Mich strengen inzwischen auch Kellner an, die in jeder freien Minute am Handy sind. Sie geben mir das Gefühl, dass sie gerade nicht hier, hier bei mir – ihrem Gast, sein wollen.

Wo wollt ihr denn sein oder wozu seid ihr hier?

 

Im letzten Herbst hatte ich dagegen eine Erscheinung. Ein Wellnesshotel mit Erlebnisgastronomie.

Da das Restaurant am Abend bereits ausgebucht war, nutzten wir die späte Mittagszeit für einen Besuch. Zu spät für Mittag, zu früh für Kaffee, dafür hungrig. Wir waren die einzigen Gäste.

Dieses Lächeln des Kellners brannte sich innerhalb von Sekunden in meine Erinnerung. Es hätte keiner Worte bedurft, seine Körpersprache vermittelte uns überzeugend, wie sehr er sich über Gäste freute.

Diese Balance zwischen Nähe und Distanz, zwischen Beraten ohne zu drängen, Unterhalten oder einfach zur Verfügung zu stehen. Der Herr hat offensichtlich ein Dienstleister-Gen im Blut.

Ein Mensch, der dankbar darüber war, dass andere Menschen durch die Inanspruchnahme seiner Dienstleistung ihm ein Leben seiner Wahl ermöglichen. Ich hoffe, wir begegnen uns wieder und ich wünsche ihm viele, zufriedene, Trinkgeld spendierende Gäste.

 

Vor einigen Tagen fiel mir auf, dass die Trattoria, die vor wenigen Monaten bei uns um die Ecke eröffnet hat, dass diese kleine Lokalität immer bis auf den letzten Platz gefüllt ist.

Wie machen die das?

Herzlich und dennoch unaufdringlich. Die Mitarbeiter sind wach und präsent im Raum, ein Winken und schon kommt jemand, der sich über deine Frage oder Bestellung freut.

Individuell. Jeder bekommt selbst das Tagesangebot so variiert serviert, dass Vorlieben berücksichtigt sind.

Transparent. An der Handarbeit der Köche kann man vom Gastraum aus teilhaben.

Mit Freude. Der respektvolle und humorvolle Umgang herrscht zwischen den Mitarbeitern wie zwischen den Mitarbeitern und den Gästen. Wohlfühlen garantiert!

Wer also wissen will, wie sich gute Kundenorientierung und Freude, bei dem was man tut, anfühlt,

der gehe auf die Such nach seiner Trattoria.

 

Was immer du tust, tue es mit Freude.

Gerade nach dem Weihnachtsurlaub stellen viele Menschen am ersten Arbeitstag im neuen Jahr wieder einmal fest, dass sie mit ihrem Job nicht zufrieden sind. Die Zahlen der Suchanfragen in den Jobbörsen steigen in den ersten Tagen des neuen Jahres überproportional an.

 

Bist du (noch) zufrieden?

Wenn du keine Freude verspürst bei deiner Arbeit, hast du ganz offensichtlich deine Berufung noch nicht gefunden. Beruf sollte zumindest von Berufung kommen. In dem Wort findest du ja auch das Wort RUF.

 

Um den Reise-RUF wahrnehmen zu können und eine erfolgreiche Reise zu unternehmen, sei dir zu aller erst deiner Werte bewusst.

Mach dir eine Werte-Liste. Was ist dir im Leben am wichtigsten? Wonach strebst du? Genauso – was möchtest du unbedingt vermeiden? Ganz spontan.

Bringe deine Werte in eine Rangfolge.

Vergleiche, ob deine jetzige Lebens-oder Arbeitssituation auch zu deinen Werten passt, gibt es Werte-Konflikte? Steht zum Beispiel die Angst vor Einsamkeit deinem Verlangen nach Freiheit entgegen? Oder kollidiert der Wunsch nach Sicherheit und Stabilität mit dem Wunsch nach Kreativität oder persönlicher Entwicklung? Bleibt bei aller Leidenschaft für den Beruf deine Gesundheit auf der Strecke?

 

Du kannst es dir schon vorstellen – starke Werte-Konflikte führen zur Selbstsabotage.

Überdenke vor diesem Hintergrund ganz gezielt die Reihenfolge, die tatsächliche Wertigkeit auf deiner Liste.

Und – in welcher Reihenfolge müssten deine Werte stehen, damit du deine Lebensziele erreichen kannst?

 

Einige Beispiele:

  • Du hast deine Berufung noch nicht gefunden? Welche Berufe würden deine Werte am Besten widerspiegeln (bzw. ihnen entgegen stehen)? Welches Handwerkszeug brauchst du dafür? Was liegt dir?
  • Gibt es einen Job, der dich mehr erfüllt? Warum glaubst/weißt du das? Welche Werte verbindest du damit? Was hält dich davon ab diesen Weg zu gehen? Was brauchst du um erfolgreich zu sein?
  • Würdest du gern mehr Zeit für deine Freunde/Familie/Hobbies haben – was ist es dir wert? Könntest du weniger arbeiten oder einen Job finden der zeitlich flexibler ist, vielleicht aber weniger zahlt?
  • Welchen Zweck erfüllt Geld überhaupt in deinem Leben? Welchen Wert verbindest du damit (z.B. Freiheit, Sicherheit, Einfluss, Wohltätigkeit,…)? An welcher Stelle steht dieser Wert für dich?
  • …….

 

Nur wer im Einklang mit seinen Werten lebt, kann ein langfristig glückliches und erfülltes Leben führen.

 

Das ist es doch wert, sich einmal in Ruhe über die eigenen Werte, die innersten, unbewussten Motivationen klar zu werden.

 

Herzlichst,

Deine Kerstin D. Richter

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