Ein Feuermelder

Ja ABER

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Letztens sagte eine gute Bekannte bei einer Begegnung diesen Satz. Und sie sagte ihn mindestens einmal zu viel: „Ja aber, so kannst du das doch nicht sehen!”

Das Gespräch wurde zunehmend einsilbiger und endete in der Sackgasse. Das sind die Momente, wo einzig Schweigen die Situation vergoldet.

Wenn dir jemand sagt, etwas sei nicht möglich, ist es eine Reflexion seiner Grenzen, nicht deiner.

(unbekannt)

Ich gehe nicht mit den Glaubenssätzen anderer Leute spazieren. Es sind ihre und da dürfen sie auch bleiben.

 

Selbst in Seminaren höre ich häufiger Sätze wie: „Ja aber, das haben wir doch schon alles ausprobiert. Ich weiß ja, aber…. Ja aber, da kann man ja nichts machen. Das finde ich schon in Ordnung, aber…. Das hat mein Chef/ Kollege gut gemacht, aber…”

 

ABER ABER ABER – wer bitte drückt den Alarm-Knopf?

  • ABER ist kein gewöhnliches Wort, vielmehr eine Waffe, eine Lebenshaltung.
  • ABER ist ein ganzer Satz. Ein Satz, der Lächeln raubt und Träume tötet.
  • ABER zählt zu den klassischen, unbekümmert dahin geplauderten und doch so heftigen Reizformulierungen.
  • ABER präsentiert eine innere Haltung.
  • ABER raubt dir Energie. (Sofern du es zulässt!) Wieso ist das so?

 

Denn ABER will dich ins Entweder – Oder – System zwingen.

Und das erleben wir alle seit frühester Kindheit.

Mit Beginn der sprachlichen Auseinandersetzung hören wir: „Das hast du ja fein gemacht, aber hier musst du noch…”Bald können wir uns ein Lob, eine Zustimmung ohne ein ABER kaum noch vorstellen. Zumindest bestätigen mir dies die Semester der Babyboomer, X und Y-Generation häufig – und häufig betroffen.

 

Scheinbar gibt es viele Menschen, welche die Meinung anderer einfach nicht wertfrei stehen lassen können. Zu groß die Verunsicherung, dass es außer den ausgetretenen Pfaden oder Resignation noch andere Wege gäbe.

Und schnell entsteht der Eindruck, weil es vielen Menschen so geht, muss es wohl wahr sein.

 

Was tun in der Welt der ABER-Klugen und ABER-Witzigen?

Hast du schon mal ABER-Menschen beobachtet? Lange vor dem gesprochenen Wort „ABER“ erlebst du in der nonverbalen Körpersprache deines Gegenübers den Schmerz, eine für ihn nicht zu akzeptierende Meinung überhaupt auszuhalten. Anspannung, geballte Fäuste, feste Kiefer, gern auch mal Schnappatmung und dann zerreißen dir die ABER wie ein Terrier jeden Versuch zusammenhängender Meinungsäußerung.

Wenn du das wahrnimmst, bleib bewusst ruhig. Zu groß ist die Gefahr, in diesen Kampf gezogen zu werden.

 

Für die geplante Austragung unterschiedlicher Positionen, zum Beispiel in Konfliktschlichtungen, nutze ich seit Jahren erfolgreich Gesprächs-Verabredungen. Damit sichere ich ab, dass eine Person ungestört ausreden darf und dass persönliche Wahrnehmungen wertungsfrei bleiben. So kannst du mit einem Gesprächspartner verabreden, dass er dich ausreden lässt, nur zuhört oder am Schluss wiedergibt, was er verstanden hat.

 

Jetzt fragst du dich vielleicht, wie kommen wir aber von diesem ABER weg? Besonders, wenn es doch so angreifend wirkt?

Welches Wort ersetzt dieses ABER, macht aus einem „entweder – oder“ ein „sowohl – als auch“?

 

Beispiel:

Sie: „Schön, dass du mir Essen gekocht hast, aber wie die Küche jetzt aussieht…“

Chef: „Danke, wie Sie die Arbeit während der Grippewelle gemeistert haben, aber wenn Sie nicht mehr darauf achten, dass…

Hat da irgend jemand Danke gesagt? RESET-Taste gedrückt!

 

Ist es möglich, Positives wie Kritisches im Zusammenhang zu sagen ohne angreifend zu wirken?

JA!

2.Versuch:

Sie: „Schön, dass du mir Essen gekocht hast. Und es hilft mir, wenn du danach …Wie siehst du das?“

Chef: „Danke, wie Sie die Arbeit während der Grippewelle gemeistert haben. Und in diesem Zusammenhang sind mir folgende Dinge wichtig, die ich mit Ihnen besprechen möchte.“

 

Ich habe die Alternative jetzt sehr offensichtlich in die Beispiele eingefügt.

Reset für ABER. Meine Alternative heißt UND.

 

Hierbei geht es weit mehr um die innere Haltung als um das Wort.

Tagtäglich gibt es angenehme wie kritische Themen zu kommunizieren. Wichtig ist, dass kritische Rückmeldungen nicht zum Meckern und Nörgeln verkommen. Vor allen Dingen sorge dafür, dass Erfolge und schöne Momente nicht vom ABER zerfetzt werden.

Lass dem positiven Feedback seinen Raum und sprich dann auch die Dinge an, die zu bearbeiten, entwickeln und bewältigen sind.

 

Maximale Erfolge dabei wünscht dir

Deine Kerstin D. Richter