Drei Frauen pusten Konfetti in die Kamera

Wege zum WIR

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Was kann ich tun, damit ich mich gesünder, weniger gestresst, erfolgreicher oder einfach zufriedener fühle?

Zeitmanagement, Stressmanagement, Gesundheitsmanagement, Konfliktmanagement, Potenzialentfaltung, Sinnfindung. Viele Seminarteilnehmer haben Fragen zu diesen Themen.

Die Globalisierung der Welt, die enorme Vielfalt an Möglichkeiten ängstigt und erschöpft viele Menschen mehr, als dass sie Freude bereitet.

 

Ein inspirierender Weg aus der Selbstfindungs-Schleife: Entdecke Andere und wende dich ihnen zu. Die eigenen Themen erhalten dann einen neuen, im besten Fall leichteren Stellenwert.

 

Vor fünf Jahren hatten wir einen jungen amerikanischen Couchsurfer zu Gast. Er war nach Cottbus gekommen, die Spuren seiner, zum Teil  ausgelöschten Familie zu ergründen. Sein Reiseplan war beeindruckend, seine bisherigen Erlebnisse und die Familiengeschichte ebenfalls.

Das deutsche Regenwetter war für seine leichten Turnschuhe nicht gemacht. Und so war er mit uns für kurze Zeit in den Schuhen neuer Freunde unterwegs. Er herzlicher, intensiver Mensch, der uns berührte und in Erinnerung blieb. Dank sozialer Netzwerke blieb der Kontakt und so mussten wir vor drei Jahren von seinem plötzlichen Tod erfahren.

 

In dieser Woche nun lernten wir seine Eltern, die Schwester und eine Tante kennen. Jetzt folgte die Familie seinen Spuren. Unsere erste Begegnung war so herzlich, als wären wir einander lange vertraut. Und auch dieses Mal haben wir andere Menschen für einen Moment der Zeit begleitet, Trauer wie Freude geteilt und gemeinsame Welt-Geschichte betrachtet. WIR.

 

Bereits seit letzten Herbst hatten mein Mann und ich wiederholt ein Erlebnis. Wir gehen in unserer Heimatstadt alltägliche Wege grundsätzlich zu Fuß. Auf dem Nachhauseweg passieren wir stets einen Wohnblock. Auf einem der kleinen Balkone saß eine junge, traurig wirkende Frau. Ein Kopftuch tragend, sah sie uns stets für einen kurzen Moment an. Wir grüßten sie. Sie lächelte. Nach wiederholten ähnlichen Begegnungen sprach sie uns an. “Please, come in for tea or coffee!”

Wir dankten freundlich und zeigten auf die Uhr. Wir sind in Eile. Sie lud uns wieder ein. Immer in Eile.

 

Es wurde kalt. Die Wohnung schien inzwischen unbewohnt, dann doch ein Licht. Der Einblick gewährte wenig Mobiliar. Wir schauten immer wieder nach ihr. Es ging auf Weihnachten zu. Nichts. Dann, vor Kurzem, saß sie wieder traurig auf dem Balkon. Als sie uns sah, rief sie sofort: „Bitte kommen, Tee oder Kaffee!”

Wir haben uns für ein paar Tage später verabredet zum Tee. Sie schilderte uns die vergangenen Monate der Einsamkeit, von der Qual nichts tun zu dürfen, der Sehnsucht nach ihrer Heimat in Syrien und ihrer Angst aufgrund der Ablehnung, hier, in meiner, unserer Heimat.

 

Und daraus wurden weitere Verabredungen. Und einfache Hilfen, die manchmal nur ein Telefonat erforderten. Vor allen Dingen Mitgefühl. Und eine gute, gemeinsame Zeit. WIR.

 

Wenn du dich selbst spüren willst, wende dich anderen Menschen zu. Gib das, was du geben kannst. Was kostet dich Dasein und Zuhören ?

Dafür erlebst du Dankbarkeit. Vielleicht Glück. Vielleicht mehr Zufriedenheit. Augenblicke im WIR.

 

Jetzt denkst du vielleicht, was soll diese kitschige Sozialromantik? Der geht’s wohl zu gut.

Ich gehe davon aus, mich bewegen ebenso viele Sorgen wie dich. Sorgen in der Familie, Probleme in meiner Arbeitswelt, mein Körper fordert (manchmal vergeblich) nach mehr Zuwendung. Auch ich wünsche mir, der Tag könnte mehr Stunden und ich mehr Ruhe haben.

Und trotzdem stehe ich im regelmäßigen Austausch mit einem jungen Mädchen, das um ihren Platz im Leben kämpft, liege nachts wach und entwerfe Lösungen. Im Haus gegenüber wohnen viele ältere Mieter, mehrere allein. Sind die auch einsam?

 

Wenn ich aus dem Haus kommen, nehme ich mir Zeit die Nachbarn zu grüßen oder in einen kurzen Plausch zu kommen. Wir lachen und allen geht es etwas besser. WIR.

 

So gibt es heute keine drei, fünf oder sieben Tipps for a better live.

Einfach meine Bitte wie Empfehlung: Schenke deiner Umwelt bewusst Freundlichkeit!

 

Ich höre häufiger: „Die Welt oder die Menschen sind so unfreundlich geworden. Keiner hilft mehr. Keiner sagt oder tut einfach so mal was Nettes.“

Die Lösung ist so einfach. Die Welt, das bist du. Das sind WIR.

 

Fang du an, gemeinsam mit mir, mit uns! Jetzt! Wie? Lächeln, Grüßen, Türen aufhalten, Komplimente machen, einfache Hilfen anbieten…

Ich freue mich über deine Ideen!

 

 

Ein freundliches Wochenende wünscht dir

herzlichst deine Kerstin D. Richter