Die Zeigefinder zweier Hände berühren sich

Hat DIENEN ausgedient?

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Ich erinnere mich, wie ich mit wachsendem Interesse das Buch von Simon Sinek “Frag immer erst: warum“ las.

 

Seitdem frage ich mich tatsächlich immer häufiger: „Passt das, was ich tue, zu mir, zu meinen Werten, meinen Visionen? Passen die Menschen, mit denen ich arbeite oder lebe zu diesen Werten?“

 

In Seminaren erlebe ich immer noch Irritationen und Ablehnung bei der Frage: „Warum haben Sie sich diese Tätigkeit ausgesucht oder was hat Sie zu dieser Berufswahl bewogen? Was wollen Sie bewirken? Wem dient es? Was ist Ihnen wichtig?“

 

Wenige Antworten. Dafür beginnt der Eine oder die Andere darüber nachzudenken.

 

Du fragst „Wozu ist das wichtig?“

 

Unsere Werte bestimmen unserer Haltung und geben uns Halt, wenn es eng wird, wenn der Weg ein langer ist und das Ziel selbst eher eine Möglichkeit darstellt.

 

Wenn wir keine Vorstellung, keine Vision davon haben, wozu unser Handeln gut ist, wem es dient, können sich Verhaltensweisen entwickeln, die uns heute schon heftige Konflikte bereiten.

 

Ich habe in dieser Woche einige Führungskräfte zur Frage des Dienens interviewt.

 

DIENEN als Synonym für dienlich sein, nutzen, nützen, sich eignen, zugute kommen, förderlich sein.

 

Einige Beobachtungen möchte ich hier mit euch teilen:

 

  1. Im mittleren Management wird wird häufiger die Klarheit und das Vorbild der ersten Reihe vermisst. So berichtete eine Befragte vom Wandel in der Führung Ihres Konzernteils.

Frühere Chefs wohnten vor Ort, waren sichtbar und engagierten sich auch im Umfeld ihres Betriebes. Ihre heutigen (aktuellen) Chefs fliegen mit dem Privatjet ein und aus. Die Verbindung zum Betrieb und den Menschen ist abgerissen.

 

  1. Vergleichbare Beobachtungen teilten mir auch Mitarbeiter aus mittelständischen Unternehmen mit.

Es kriselt, wenn die Haltung der Führung nicht erkennbar ist, die Person hinter der Rolle nicht greifbar ist und ein Miteinander, nennen wir es „sich gegenseitig zunutze sein“, also DIENEN, nicht gelebt wird.

 

  1. Eine Führungskraft in einer Verwaltung berichtete mir nachdenklich, dass sie im Aufgabenbereich der Kundenbetreuung einen gravierenden Wechsel in der Haltung beobachtet.

Zumindest im Augenblick erlebte sie bei jüngeren Kollegen den Drang sich abzugrenzen, Kunden zu belehren, leider auch zu beschämen durch Selbsterhöhung und wahrgenommene Respektlosigkeiten.

 

Der Gedanke des Dienens scheint ausgedient zu haben.

 

 

All unsere sozialen Systeme, ob Familie oder Arbeitsteams, als Mikrokosmen des großen Netzes brauchen diese Orientierung, eine Verabredung zum Dienst.

 

FÜHREN bedeutet DIENEN!

 

Geben wir dieses Lebenskonzept auf, geraten wir aus der Balance. Und wir erleben alle die Auswirkungen.

 

Respektlosigkeit wird nicht mehr akzeptiert. Sie wird zunehmend gespiegelt und Menschen, die sich respektlos verhalten, erleben als Folge dieser Resonanz ebenfalls Respektlosigkeiten bis hin zu Gewalt und Übergriffen.

 

Unternehmen, die Respektlosigkeit ignorieren und somit dulden, verzeichnen hohe Mitarbeiterfluktuationen.

 

Im beruflichen wie privaten Kontext begegnen mir verstärkt Menschen, die bereits genau wissen, dass sie „so nicht“ weiter leben und arbeiten möchten.

 

 

Die Antwort nach dem „wie dann?“ gelingt dir mit gezielten Fragen.

 

Eine Frage könnte sein:

 

Wem will ich und kann ich mit meinem Tun dienen?

…oder

Wie, mit welchem Verhalten erreiche ich die Wirkung?

 

Du wirst dir weitere Fragen stellen.

 

Zum Schluss bleibt noch meine Frage: „Hat das Dienen ausgedient?“

 

Ich sage NEIN! Es ist eine bedeutende Erfahrung für die Persönlichkeitsentwicklung und ein spiritueller Schlüssel für das Erleben von Glück, indem du anderen Menschen einen Dienst erweist und ihnen Gutes tust.

 

Und wir brauchen viele glückliche, glücklichere Menschen!

 

 

Eine gute Zeit wünscht dir

Kerstin D. Richter