BedürfnisseBewusstsein

NO limits

Frau wandert am Strand. Fußspuren im Sand. Wanderung am Meer. Abel Tasman

Sonntagmorgen im Park, wir walken. Eine Gelegenheit miteinander etwas Gutes für sich zu tun. 

 

Es gibt nur ein Problem, ein nicht ganz unwesentliches – in der Körperhöhe trennen uns gute 25 Zentimeter. Man muss nicht allzu bewandert sein in Biologie, um zu ahnen, beziehungsweise zu wissen, dass wir über sehr unterschiedliche Schrittlängen verfügen.

 

Wie können wir etwas gemeinsame Zeit miteinander verbringen und dennoch jedem sein Tempo lassen? 

„Hurra, ein Problem!“ witzelt der Mediator in mir. Problem erkannt, Problem gebannt. „Geh doch voraus“, sage ich, „wir treffen uns schon wieder!“

 

Während ich meinem verehrten Partner so hinterher schaue und er mir langsam aus dem Blickfeld schwindet, spüre ich einen kleinen Ärger in mir aufkommen. „Da hätte ich auch gleich alleine in den Park gehen können. Das nennt sich nun gemeinsame Zeit.“

Es macht mir überhaupt keinen Spaß hinterher zu laufen. 

Diese Selbsterkenntnis ist nicht neu. Denn ich führe gern. Er scheint es zu genießen, denn er läuft straff weiter ohne zu warten.

 

Ich beruhige mich schnell, denn mir wird bewusst, dass meine Kommunikation sehr unklar war.

Ich habe nicht gesagt, was ich erwarte. Und ich stelle auch fest – es war mir vorher gar nicht bewusst. 

 

Ein paar Wochen später der zweite Versuch. „Für mich wäre es o.k., wenn du im vorderen Bereich des Parks in deinem Tempo gehst und wir uns dahinten wieder treffen“ und ich zeige mit dem Stock einen für mich klaren Treffpunkt. Nur, es scheint etwas schief gegangen zu sein. Ich stehe alleine da. Und soweit ich bei meiner Körperhöhe die Parkwege überblicken kann, kein Mann in Sicht. Ich bin beunruhigt. Das Gras ist stellenweise hoch. Was, wenn es ihm nicht gut geht? Was, wenn ihm etwas passiert ist?

 

Ich bin ärgerlich über meine unklare Kommunikation und denke: „Das könnt ihr beide doch besser!“

Zum Glück entdecke ich kurze Zeit später meinen ebenso suchenden Gatten und die Freude über das gesunde Wiedersehen lässt jedes ungute Gefühl schnell verblassen.

 

Dritter Versuch: wir starten gemeinsam und gehen dann getrennte Wege.  Ich gönne uns beiden ganz bewusst diese Zeit. 

 

Ich habe mich daran erinnert, wie ich beim Trekking Teil einer Wandergruppe war.

Vor mir größere und kleinere Punkte, Wanderer, die schon Teile des Weges zurückgelegt hatten, die noch vor mir lagen. Weit vor mir! Mehrere Teilnehmer waren aber auch noch weit hinter mir.

Die hohen Berge waren nur zu bewältigen, wenn jeder das Ziel in seinem Tempo und mit seinen Ressourcen verfolgte. 

 

Mit dieser Erinnerung kam auch der Genuss des Alleinseins (All eins sein), des im Gehen allein seinen Gedanken zu folgen, wieder.

Und all diese interessanten Gedanken, konnte ich später mit meinem Partner austauschen und vertiefen. Denn diesmal fanden wir uns zur rechten Zeit am rechten Ort. Was für ein Bild: wir fanden zeitgleich an einer Wegbiegung zu einander! Profis unter sich! Ein schönes Beispiel, ein Problem als eine zu bewältigende Aufgabe zu begreifen. Herausforderungen, wie sie jedem Menschen tagtäglich in beruflichen oder persönlichen Lebenssituationen begegnen.

Wir sind aufgefordert, unsere Bedürfnisse bewusst wahr zu nehmen, uns unserer Umwelt mit zu teilen und Kompromisse selbstverantwortlich zu gestalten. Jetzt!

 

Einen abgewandelt Spruch mit auf den Weg:

 Für jede Minute, die Du unglücklich, wütend, verärgert, unzufrieden ….. bist, 

 verlierst Du 60 Sekunden Glück!

 

Herzlichst,

Kerstin D. Richter